Colombier — ein Ort und sein Schloss
Die Gegend von Colombier war bereits während der Steinzeit von Höhlenmenschen bewohnt. Generationen von Pfahlbauern bewohnten später die Ufer des fischreichen Sees. Die Helvetier erschienen, die Wälder rodeten und als erste hier Gebäude auf festem Grund errichteten. Im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung erbauten schliesslich die Römer am Standort des heutigen Schlosses ein grosses Gebäude, an das im Laufe der folgenden vier Jahrhunderte Anbauten und Nebengebäude angesiedelt wurden. Die Niederlassung bildete nun das Zentrum einer bedeutenden agrarischen Bewirtschaftung. Im fünften Jahrhundert wurde der Ort verwüstet und die Gebäude wurden durch von Osten eindringende Alemannen zerstört. Von Westen herkommende Burgunder errichteten daraufhin auf den Überresten der römischen Villa ein Gehöft, schliesslich flankiert durch einen dreissig Meter hohen Bergfried zum Rückzug und Schutz der Bevölkerung der Umgebung.
Im achten Jahrhundert wurden Türme und eine Festungsmauer errichtet sowie eine Kapelle erbaut. Während zweihundert Jahren bewohnten die Herren von Colombier die Festung und vergrösserten sie fortlaufend in einen bewohnbaren, schliesslich konfortablen Herrensitz. Ihre Nachkommen, die Familien von Chauvirey und Wattenwyl, erneuerten und vervollständigten den Schlossbau im Wesentlichen zur heutigen gotischen Form. Nachdem das Schloss Einnehmerei von Zehnten geworden war,erhielt es Anbauten mit Kellern, Speichern und Ställen. Im Jahre 1657 liess der Schlossherr Abraham Mouchet anlässlich der Rückzahlung seiner Schulden an Heinrich II. von Orléans von Bäumen gesäumte Alleen anlegen, die noch heute ein Charakteristikum des Umschwungs des Schlosses darstellen. Im 18. Jahrhundert wurde schliesslich die Inneneinrichtung erneuert.
1762 weilte der aus Frankreich und Genf verbannte Jean-Jacques Rousseau einige Zeit hier; er beschreibt seinen Aufenthalt im siebten Buch seiner Confessions. Das 19. Jahrhundert wurde zu einer traurigen Epoche für das Schloss, das zerfiel und für alle möglichen Zwecke benutzt wurde — Spätfolgen der französichen Revolution. Ein Militärspital wurde eingerichtet, das man später in Mietwohnungen umnutzte. 1824 wurde das Schloss zu einer Kaserne, später ein Waisenhaus, 1850 schliesslich eidgenössische Artilleriekaserne mit Reithalle und Stallungen. Die Verfassung des Äusseren verkam während dieser Zeit. Zu Anfang des 20. Jahrhundert waren die Gebäude in einem solch schlechten Zustand, dass selbst der Abriss in Betracht gezogen wurde. Jedoch gelang es dem Verwalter der staatlichen Gebäude 1908 den erforderlichen Kredit zur Erneuerung und Verschönerung des Schlosses — eine Million Franken — zu erhalten. Die Arbeiten wurden unter der Leitung von Albert Naef, dem bekannten Archäologen und Denkmalpfleger, durchgeführt. Seit 1954 beherbergt das Schloss das Militärmuseum des Kantons Neuenburg und ein Chintz-Museum. Die hier untergebrachte Offiziersschule residiert hier wie keine andere in der Schweiz.
Schloss Colombier (NE) :: Das Schloss